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Inflammaging: Was hinter der stillen Entzündung steckt

Frau im Profil berührt sanft ihr Kinn, Symbolbild für Hautalterung durch stille Entzündung, Klinik am Schwarzwald

Warum altert die Haut mancher Menschen sichtbar schneller als die anderer, obwohl beide sich ähnlich pflegen und schützen? Ein Teil der Antwort liegt in einem Begriff aus der Alterns­for­schung, der zunehmend auch in der Hautme­dizin auftaucht: Inflamm­aging. Gemeint ist eine dauer­hafte, niedrig­gradige Entzündung im Körper, die mit dem Alter zunimmt und Gewebe schneller abbauen lässt. Nach unseren Beiträgen zu Cortisol Face und Collagen Banking ordnen wir hier ein, was hinter diesem Begriff steckt und was er für Ihre Haut bedeutet.

Medizi­nisch geprüft von Dr. Mario Holdenried, Facharzt für Plastische und Ästhe­tische Chirurgie. Mit langjäh­riger fachärzt­licher Erfahrung und über 5.000 durch­ge­führten Eingriffen begleitet er Patien­tinnen und Patienten in der Klinik am Schwarzwald persönlich. Mehr über Dr. Holdenried · Stand: 29. August 2026

Inhalts­über­sicht

    Was der Begriff Inflammaging bedeutet

    Inflamm­aging setzt sich aus den engli­schen Wörtern für Entzündung und Altern zusammen. Geprägt hat ihn der italie­nische Immunologe Claudio Franceschi im Jahr 2000 in einer vielzi­tierten Arbeit zur Immun­se­neszenz. Beschrieben wird ein Phänomen, das lange kaum beachtet wurde: Mit zuneh­mendem Alter steigt bei den meisten Menschen der Grund­spiegel entzün­dungs­för­dernder Boten­stoffe im Blut, auch ganz ohne akute Infektion oder Verletzung.

    Diese Entzündung verläuft leise. Sie schmerzt nicht, sie rötet nicht sichtbar, und sie kündigt sich nicht mit einem einzelnen Symptom an. Ärztlich lässt sie sich über Entzün­dungs­marker wie Interleukin‑6 oder das C‑reaktive Protein erfassen, die im Mittel mit dem Alter ansteigen. Eine 2018 in Nature Reviews Endocri­nology erschienene Übersichts­arbeit derselben Forschungs­gruppe beschreibt Inflamm­aging inzwi­schen als eigen­stän­digen Risiko­faktor für eine Reihe alters­be­dingter Verän­de­rungen, von Gefäß­er­kran­kungen bis zu allge­meinem Gewebe­abbau.

    Wie eine stille Entzündung die Haut altern lässt

    In der Haut zeigt sich Inflamm­aging auf mehreren Ebenen gleich­zeitig. Entzün­dungs­bo­ten­stoffe aktivieren Enzyme, die Kolla­gen­fasern gezielt abbauen, während parallel weniger neues Kollagen nachge­bildet wird. Gleich­zeitig leidet die Barrie­re­funktion: Eine chronisch gereizte Haut verliert schneller Feuch­tigkeit und reagiert empfind­licher auf Sonne, Kälte oder Reini­gungs­pro­dukte. Dazu kommt eine langsamere Regene­ration, Wunden brauchen länger zum Abheilen, und die Haut erneuert sich seltener.

    Das Ergebnis ist ein Hautbild, das nicht plötzlich, sondern über Jahre an Spann­kraft, Feuch­tigkeit und Frische verliert, oft bevor tiefe Falten überhaupt sichtbar werden. Fachleute sprechen hier von einem Zusam­men­spiel aus biolo­gi­scher Alterung und Lebensstil, nicht von einem einzelnen Auslöser.

    Was Inflammaging antreibt

    • UV-Strahlung: Chronische Sonnen­ex­po­sition zählt zu den stärksten äußeren Reizen und beschleunigt die entzünd­liche Hautal­terung zusätzlich zur direkten UV-Schädigung.
    • Rauchen: Tabak­rauch erhöht mehrere Entzün­dungs­marker messbar und beschleunigt den Kolla­gen­abbau.
    • Ernährung: Ein hoher Anteil stark verar­bei­teter, zucker­reicher Lebens­mittel steht mit erhöhten Entzün­dungs­werten in Zusam­menhang.
    • Schlaf­mangel und chroni­scher Stress: Beides verschiebt das hormo­nelle Gleich­ge­wicht und begünstigt niedrig­gradige Entzündung.
    • Überge­wicht: Fettgewebe ist selbst hormonell aktiv und schüttet entzün­dungs­för­dernde Boten­stoffe aus, besonders im Bauch­be­reich.
    • Feinstaub und Luftschad­stoffe: Auch sie werden in der Forschung mit erhöhten Entzün­dungs­werten in der Haut in Verbindung gebracht.

    Was Inflammaging nicht ist

    An dieser Stelle lohnt eine klare Abgrenzung. Inflamm­aging ist ein Forschungs­konzept aus der Alterns­for­schung, keine Diagnose, die sich im Blutbild eindeutig ablesen lässt. Es gibt keinen einzelnen Test, der es bestätigt oder ausschließt, und es gibt keine Behandlung, die gezielt gegen Inflamm­aging wirkt. Wer das verspricht, verspricht mehr, als die Datenlage hergibt. Einzelne Entzün­dungs­marker können erhöht sein, ohne dass daraus ein Krank­heitswert folgt, und sie schwanken auch bei gesunden Menschen im Tages­verlauf und je nach Lebens­um­ständen.

    Wo ästhetische Verfahren ansetzen können

    Ästhe­tische Medizin kann eine körper­weite Entzündung nicht beheben, das bleibt Aufgabe von Lebensstil und, wo nötig, ärztlicher Behandlung. Sie kann aber an den sicht­baren Folgen in der Haut ansetzen. Verfahren, die die Kolla­gen­neu­bildung anregen, wie Polynu­kleotide, Skinbooster oder Radio­fre­quenz-Micro­needling, setzen gezielte Reize, auf die die Haut mit eigener Reparatur reagiert. Reines Micro­needling kann die Aufnahme pflegender Wirkstoffe verbessern und die oberste Hautschicht zur Erneuerung anregen. Wo bereits Volumen verloren gegangen ist, kann Sculptra als Biosti­mu­lator die Kolla­gen­pro­duktion über mehrere Monate hinweg fördern, während eine Hyalu­ron­be­handlung Feuch­tigkeit und Kontur direkt unter­stützt.

    Keines dieser Verfahren setzt an der Ursache an, sie setzen an den Folgen an. Genau das besprechen wir offen in der persön­lichen Beratung, statt einen Zusam­menhang zu sugge­rieren, den es in dieser Form nicht gibt.

    Was Sie selbst tun können

    Die am besten belegten Maßnahmen gegen Inflamm­aging kommen nicht aus der Praxis, sondern aus dem Alltag: konse­quenter Sonnen­schutz das ganze Jahr über, ein Rauch­stopp, regel­mäßige Bewegung, ausrei­chend Schlaf und eine Ernährung mit viel Gemüse, Obst und wenig stark verar­bei­teten Lebens­mitteln. Mehrere Beobach­tungs­studien zeigen niedrigere Entzün­dungs­marker bei Menschen, die sich an diesem Muster orien­tieren, auch wenn sich daraus kein Kausal­beweis für den Einzelfall ableiten lässt. Nahrungs­er­gän­zungs­mittel, die gezielt gegen Inflamm­aging beworben werden, haben dagegen meist keine ausrei­chende Studi­enlage, um den Werbe­ver­sprechen zu entsprechen.

    Wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist

    Nicht jede Hautver­än­derung, die älter oder müder wirkt, hat mit Inflamm­aging zu tun. Anhal­tende Rötungen, Schwel­lungen, Juckreiz oder Hautver­än­de­rungen, die sich rasch verändern, gehören in derma­to­lo­gische oder hausärzt­liche Abklärung, ebenso deutliche, unerklärte Gewichts­ver­än­de­rungen oder anhal­tende Erschöpfung. Solche Symptome können auf andere, eigen­ständig behand­lungs­be­dürftige Ursachen hinweisen, etwa entzünd­liche Hauter­kran­kungen oder Stoff­wech­sel­stö­rungen, die eine ästhe­tische Behandlung weder erkennen noch behandeln kann.

    Risiken und Grenzen

    Der wichtigste Punkt vorweg: Kein ästhe­ti­sches Verfahren kann eine körper­weite Entzündung senken oder den biolo­gi­schen Alterungs­prozess aufhalten. Wer sich davon eine grund­le­gende Wirkung auf die Gesundheit erhofft, wird enttäuscht. Auch die einzelnen Verfahren haben Grenzen. Nach Micro­needling oder Radio­fre­quenz-Micro­needling sind Rötungen und ein leichtes Spannungs­gefühl für einige Tage normal. Bei Injek­ti­ons­ver­fahren wie Skinbooster, Polynu­kleo­tiden oder Sculptra können Schwel­lungen und kleine Blutergüsse auftreten.

    Sculptra baut seine Wirkung über mehrere Monate auf, wer ein sofor­tiges Ergebnis erwartet, unter­schätzt zunächst die eigent­liche Wirkung. Bei aktiven Hauter­kran­kungen, Infek­tionen im Behand­lungs­be­reich oder bestimmten Vorer­kran­kungen sind einzelne Verfahren nicht geeignet, das prüfen wir vor jeder Behandlung im Einzelfall.

    Persönliche Beratung am Hochrhein

    In der Klinik am Schwarzwald in Lauch­ringen schauen wir uns Ihre Haut genau an und ordnen ein, was tatsächlich Wirkung zeigen kann und wo Erwar­tungen zu hoch gegriffen wären. Patien­tinnen und Patienten aus Waldshut-Tiengen, Bad Säckingen, Lörrach sowie aus der Schweiz, etwa aus Zürich, Basel, Schaff­hausen und dem Aargau, erreichen uns direkt an der Grenze am Hochrhein.

    Häufige Fragen zu Inflammaging

    Was ist Inflammaging genau?

    Inflamm­aging bezeichnet eine dauer­hafte, niedrig­gradige Entzündung, die mit dem Alter zunimmt und Gewebe im ganzen Körper, einschließlich der Haut, schneller abbauen lässt. Geprägt wurde der Begriff im Jahr 2000 vom Immuno­logen Claudio Franceschi.

    Ist Inflammaging eine Krankheit?

    Nein. Es ist ein Forschungs­konzept aus der Alterns­for­schung, keine eigen­ständige Diagnose. Es beschreibt einen Risiko­faktor, der die meisten Menschen im Alter betrifft, nicht ein klar abgrenz­bares Krank­heitsbild.

    Kann man Inflammaging messen oder testen lassen?

    Es gibt keinen einzelnen Test, der Inflamm­aging bestätigt oder ausschließt. Ärztlich lassen sich einzelne Entzün­dungs­marker im Blut bestimmen, ihre Aussa­ge­kraft für eine einzelne Person ist jedoch begrenzt, und die Werte schwanken auch bei gesunden Menschen.

    Was hilft am meisten gegen die Hautalterung durch Inflammaging?

    Am besten belegt sind konse­quenter Sonnen­schutz, ein Rauch­stopp, ausrei­chend Schlaf, Bewegung und eine Ernährung mit viel Gemüse und wenig stark verar­bei­teten Lebens­mitteln. Diese Maßnahmen wirken auf den gesamten Körper, nicht nur auf die Haut.

    Können ästhetische Behandlungen Inflammaging stoppen?

    Nein. Sie können sichtbare Folgen wie Kolla­gen­verlust und nachlas­sende Spann­kraft mildern, die zugrunde liegende Entzündung im Körper beein­flussen sie nicht. Welche Behandlung im Einzelfall sinnvoll ist, klärt eine persön­liche Beratung.

    Dieser Beitrag dient der allge­meinen Infor­mation und ersetzt keine ärztliche Beratung. Eine indivi­duelle Einschätzung ist nur im persön­lichen Gespräch möglich.

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